november
music 2007
Nested
Loops 8.11.2007 | 20 Uhr | Neue Aula
Talea
- Salut la France 9.11.2007 | 20:30 Uhr | Philharmonie Essen RWE Pavillon
Adorno
- Sex, Drugs and New Music 10.11.2007 | 20 Uhr | Neue Aula
Folkwang
meets Videonale Bonn 10.11.2007 | 22:30 Uhr | Neue Aula
Donnerstag, 08. Nov. 2007 -
20:00 Folkwang Hochschule Neue Aula
Nested
Loops
Werke
von Dirk Reith und Gottfried Michael Koenig
Gottfried
Michael Koenig Per
Flauti für 2 Flöten (1997)
Dirk
Reith Nested
Loops I für Tonband (1981)
Dirk
Reith Nested
Loops II für Klavier und Elektronik (1982)
Pause
Dirk
Reith Nested
Loops III für Klavier, Schlagzeug und Elektronik (1984)
Gottfried
Michael Koenig Funktion
Blau (1969)
Gottfried
Michael Koenig Segmente
1-7 für Klavier (1982)
Dirk
Reith Nested
Loops V (2007) UA
Nested
Loops - Dirk
Reith, Gründer und Spiritus Rektor des ICEMs der Folkwang Hochschule wird in
diesem Jahr 60. Anlässlich seines Geburtstags präsentiert november music
2007 den
Zyklus Nested Loops,
der in engem Zusammenhang mit zentralen Arbeiten seines Lehrers Gottfried
Michael Koenig steht, die am heutigen Abend ebenfalls zu hören sein werden.
Dirk Reith wurde in den 70er Jahren maßgeblich von der kompositorischen
Methodik und dem Denken Gottfried Michael Koenigs geprägt. Koenigs Projekt 1, ein Computerprogramm zur
Generierung serieller Kompositionsregeln, faszinierte Dirk Reith so stark, dass
er einen Werkzyklus plante, der sich mit den Möglichkeiten der Software
auseinandersetzen und den Komponisten viele Jahre beschäftigten sollte. Im
nächsten Jahr wird der Zyklus abgeschlossen sein. Bereits 1980 entstand das
erste Werk: die elektronische Komposition Nested Loops I. Das Stück wurde am EMS (Electroacoustic Music
Sweden) in Stockholm realisiert und basiert auf einer Version von Projekt 1, die der Komponist Tamas
Ungvary damals implementierte. In den darauf folgenden Jahren entstanden Nested
Loops II
(1983) für Klavier und Tonbänder und Nested Loops III (1984) für Klavier, Schlagzeug und Tonbänder.
Im heutigen Konzert wird das letzte Werk des Zyklus, Nested Loops V - wieder eine elektronische
Komposition - als UA zu hören sein.
Nicht nur das kompositorische Denken seines Lehrers Gottfried Michael
Koenig war über Jahre hinweg prägend für Dirk Reith, sondern auch dessen Instituut
voor Sonologie
an der Universiät Utrecht, das Koenig über Jahre hinweg leitete.
Arbeitsumgebung, Atmosphäre und Struktur der holländischen Einrichtung sollten
für Dirk Reith Modellcharakter bekommen. Nach seinem Studium in Utrecht Mitte
der 70er Jahre baute Dirk Reith in Esse! n das Elektronische Studio,
hervorgegangen aus der Arbeit mit einem live-elektronischen Ensemble, an der
Folkwang Hochschule auf. Das heute als ICEM (Institut für Computermusik und
Elektronische Medien) weltweit bekannte Institut ist als Produktionsort nicht
nur beispielgebend für das zeitgenössische intermediale Komponieren (und ermöglicht
dabei die Umsetzung der vielgerühmten "Folkwang-Idee"), sondern
verkörpert auch das herausragende Lebenswerk eines innvoativen Künstlers, der
als Lehrer, Mentor und Betreuer zahlloser Kunstprojekte längst selbst viele
international bekannte Schüler hervorbracht hat und damit das
"Utrechter-Modell" erfolgreich fortsetzte.
Das
heutige Programm spiegelt die Ursprünge, Fortsetzungen und Konsequenzen der
spannenden Begegnung Koenig-Reith wider. Es ist faszinierend zu erleben, wie
beider kompositorische Ideen und Konzepte sich kommentieren, kontrapunktieren -
und auch widersprechen. Wir -
seine Kollegen und Freunde - danken Dirk Reith für sein jahrelanges Engagement,
seine Ausdauer beim Verfolgen einmal als richtig erkannter Ziele und seiner
visionären Kraft, die dieses in Deutschland einmalige Institut ins Leben rief.
Mit den besten Wünschen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte und der Hoffnung
auf viele weitere wegweisende Werke! (Prof. Dietrich Hahne, november music)
Per
Flauti (1997)
Dieses
Werk, gewidmet den Flötisten Rien de Reede und Thies Roorda, wurde ebenfalls
mit Projekt 1
komponiert. Im Gegensatz zu den "Segmenten" ist es nicht Teil einer umfassenden
Konzeption, sondern ein "Einzelfall" - wiederum mit sieben Teilen, die jedoch
keinesfalls als "Sätze" unterschiedlichen Charakters aufzufassen sind. Der
rhythmisch sehr komplexe Kontext wurde gleichmäßig auf die beiden
Soloinstrumente verteilt; sie ergänzen einander eher, als dass eines das andere
begleitet. Zeit- und Tonraum werden durchweg gleichmäßig ausgefüllt. Insgesamt
ergibt sich daraus ein kaleidoskopartiger Wechsel stets verschiedener
Konfigurationen nicht gleicher, aber sehr ähnlicher Elemente. (G.M. Koenig)
Funktion
Blau (1969)
Funktion
Blau gehört zu einer Reihe von Produktionsmodellen, die mit Hilfe neuer, im
Institut für Sonologie in Utrecht entwickelter Geräte entstanden, wo das Werk
auch realisiert wurde. Diese neuen Apparate ermöglichten die Festlegung und
Bearbeitung von Strukturdaten auf Tonbändern; wenn diese Bänder abliefen, steuerten
sie die Entstehung von Klängen und Klangstrukturen. Zu diesen Strukturdaten
gehört beispielsweise eine Gruppe von Spannungskurven, die sowohl als Klang
hörbar werden, aber auch Klangfarben-Veränderungen bewirken und weiterhin die
Lautstärke oder den Hall-Anteil regeln. Eine andere Gruppe von Spannungskurven
besteht aus aleatorischen Signalen, die einem Rauschgenerator entnommen wurden.
Die Folge der Einzelklänge und ihre Verteilung auf vier Lautsprecher wurde von
einem Computer ausgearbeitet.
Die
Form des Werkes ist nicht teleologisch (zielgerichtet). Anfang und Ende sind
ebenso zufällig wie die Momente im Innern. Nicht zufällig hingegen ist die
geplante Ableitung aller klingenden Ereignisse von Modellklängen, die das ganze
Stück aus einer gemeinsamen Wurzel wachsen lassen. Diese Ableitung stellt
Beziehungen unter den Klängen her, die in ihrer wechselnden Ablesbarkeit eine
Verlaufskurve der emotionellen Anteilnahme zur Folge haben mögen - nicht
unähnlich den Kurven, aus denen das Stück technisch sich zusammenfügte. (G.M.
Koenig)
Segmente
1-7 (1982)
Segmente
1-7 wurde mit Projekt 1
komponiert, einem Computerprogramm, das ich in den sechziger Jahren entwickelt
hatte. Es ermöglicht die Ordnung des musikalischen Materials in Feldern, die
durch ihre Position zwischen "sehr regelmäßig" und "sehr
unregelmäßig" gekennzeichnet sind. Um die Möglichkeiten dieses
kompositorischen Modells systematisch untersuchen zu können, habe ich 1979
einen Plan ausgearbeitet, der 105 "Segmente" umfaßt, in denen jedem
"Parameter" ein Weg vorgeschrieben wird, auf dem seine Elemente sich
bewegen müssen, um schließlich zum
Ausgangspunkt zurückzukehren. Die ersten sieben Segmente repräsentieren
also nur eine kurze Phase in einem größeren Ganzen, einem endlosen, nämlich
kreisförmigen Prozeß. Segmente 1-7 sind daher eigentlich nicht als
unabhängige ästhetische Einheiten gedacht, denn die die Gesamtstruktur
bestimmenden Abläufe in Registerverteilung, Dynamik oder Rhythmik beginnen in
früheren Segmenten oder enden in späteren. Der gesamte Plan der 105
Einzelsegmente wird von der Idee eines endlosen akustischen Prozesses
beherrscht, der aus praktischen Gründen auf die üblichen Konzertdimensionen
reduziert wurde. Durch die spezifische Wirkungsweise des Computerprogramms und
die hier gewählte Interpretation der erzeugten Daten entstehen viele kleine
Zellen im Rahmen einer Großform, die vom Computerprogramm nur in Umrissen
beschrieben wird. (G.M. Koenig)
Susanne Achilles, Klavier
Michael
Pattmann, Schlagzeug
N.N.,
Querflöten
Dirk
Reith, Klangregie
Freitag,
09. Nov. 2007 - 20:30 Philharmonie Essen RWE Pavillon
Talea
- Salut la France
Konzert
des Ensembles folkwang modern
Pascal
Dusapin Coda
für 13 Instrumente (1992)
Gérard
Grisey Talea
für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier (1986)
Pause
Pierre
Boulez Dérive
für kleines Ensemble (1984)
Karlheinz
Stockhausen Kreuzspiel
für Oboe, Bassklarinette Klavier und Schlagzeug (1951)
Peter
Eötvös Shadows
für Flöte, Klarinette und Ensemble (1996)
Leitung:
Zsolt Nagy
Talea
- Salut la France - Ausgangspunkt
des Programms ist der Blick auf die zeitgenössiche Musik Frankreichs und ihr
Bezug zu uns in Deutschland: Peter Eötvös verbindet diese beiden Länder nicht
nur durch seine Persönlichkeit, sondern auch durch sein kompositorisches Schaffen,
das obendrein noch von vielen anderen Kulturräumen beeinflusst worden ist. Die
beiden nun zur Vätergeneration gehörenden Komponisten Pierre Boulez und
Karlheinz Stockhausen treffen sich in dem biographischen Hintergrund von Peter
Eötvös und stehen künstlerisch und ästhetisch für die Erneuerung der
musikalischen Sprache nach dem zweiten Weltkrieg. Gérard Grisey steht in diesem
Programm für die spezifisch französische Ästhetik der Spektralmusik, die sich
seit den 70er Jahren aus dem Pariser IRCAM heraus und den damit verbundenen
Forschungen über den Klang entwickelt hatte. Pascal Dusapin, der jetzige
Composer in Residence der Philharmonie Essen, bezieht sich auf Xenakis, der
ebenfalls in Frankreich eine neue Heimat gefunden hatte, nachdem er Griechenland
verlassen musste. Zsolt Nagy, diesjähriger Leiter des Ensembles folkwang
modern, war
zunächst Student, später Mitarbeiter von Peter Eötvös und ist ein ausgewiesener
Kenner der Werke seine Lehrers, sowie vielgefragter Dirigent für Neue und
intermediale Musik.
Pascal
Dusapin (geb.
1955 in Nancy) nennt als seinen einzigen musikalischen "Meister" Iannis
Xenakis, dessen Vorlesungen er zwischen 1974 und 1978 einmal wöchentlich an der
Sorbonne in Paris hörte. Xenakis habe, so Dusapin, vieles in ihm geöffnet ohne
einen Klon oder Jünger aus ihm zu machen, so dass er als Komponist seine ganz
eigenen Wege beschreiten konnte. "Coda" ist für die Donaueschinger Musiktage
1992 entstanden und Iannis Xenakis anlässlich dessen 70. Geburtstages gewidmet.
So bezieht sich das Werk weniger auf die französischen Spektralisten als
vielmehr auf die Beschäftigung mit der Literatur, den Naturwissenschaften und
der Philosophie. Die Kritik an den sich baumartig verzweigenden oder einseitig
gerichteten Denkschemata des abendländischen Denkens ("Scholastik")
schlägt sich in den kompositorischen Prozessen des Komponisten Dusapin
vielfältig nieder. Sein Gesamtwerk umfasst mehrere Bühnenwerke, Orchesterstücke
und Kammermusik.
"
'Coda' ist ein Wort, das die Musiker gut kennen. Es bezeichnet die Vorstellung
eines Schlusses, der frei oder quasi improvisiert ganz oder teilweise die
musikalische Entwicklung verlängert. (...) Das Material meines Stückes ist in
Wahrheit sehr einfach. Einige Töne spielen miteinander, versuchen sich in einer
primitiven Polyphonie in den ersten Takten, die unaufhörliche melodische und
rhythmische Variationen gebären, durch Vergrößerung ihrer harmonischen Räume.
Aus den vier Tönen, die übereinanderliegen, hört man sehr schnell umfangreiche
Melodien in "unisono" Modalnotation heraus, die zerreißen und aufplatzen in
zugleich komplexe und rudimentäre Rhythmen. Jedes Teilstück, jede Sequenz ist
immer eine Coda. Aber indem ich den erzeugten Spannungen alle Abschlüsse oder
abschließenden Prozesse verweigerte, habe ich - gerade dadurch - eine
anhaltende Entwicklung versucht." (Programmtext des Komponisten)
Gérard
Grisey
(1946-1998) ist zweifellos einer
der bedeutendsten Vertreter und Vordenker des französischen Spektralismus. Im
Unterschied zu anderen Komponisten basiert seine Musik nicht nur auf der
Verarbeitung von natürlichen Obertonspektren, sondern bezieht die
"Störelemente" wie Geräusche, andere Skalen und theatralische Situationen in
die sich auf vielen Ebenen wandelnden musikalischen Prozesse mit ein. In der
Musik des späten Mittelalters bezeichnete der Begriff "Talea" eine rhythmische
Struktur, die unabhängig von der Folge der Tonhöhen ("Color") verarbeitet
wurde, ein Aspekt, der seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wieder eine
zentrale Rolle spielt. Feinste Wandlungen des musikalischen Geschehens und
atmende Strukturverläufe zwischen harmonischen und unharmonischen Spektren,
zwischen Periodizität und Aperiodizität kennzeichnen das kompositorische
Schaffen Griseys.
"In
Talea setze ich mich auseinander mit zwei Aspekten des musikalischen Diskurses,
von denen mich meine Forschungsarbeiten über die instrumentale Synthese, über
die Mikrophonie und die damit verbundenen Verwandlungen entfernt hatten,
nämlich die Geschwindigkeit und der Kontrast. Talea besteht aus zwei ohne Unterbrechung
zusammengeschlossenen Teilen, die zwei Gesichtspunkte, oder genauer zwei
Gehörpunkte eines einzigen Phänomens ausdrücken. So wird dieser einzige Gestus
(schnell, fortissimo, aufwärts - langsam, pianissimo, abwärts) im ersten Teil
durch mittlere Notenwerte ausgedrückt und allmählich bis zur Nivellierung der
Kontraste geebnet. Im zweiten Teil drückt er die große Form und die
Weiterführung der Sequenzen aus. Er ist im ersten Teil polyphonisch und im
zweiten homophonisch." (Partiturtext des Komponisten)
Pierre
Boulez (geb.
1925) ist sicher der einflussreichste französische Komponist der letzten 50
Jahre. Als einer der Hauptvertreter des musikalischen Serialismus der fünfziger
Jahre hat er eine ganze Komponistengeneration maßgeblich beeinflusst. Seine
Ensemblekomposition "Dérive" (1984) verwendet als Derivat, d.h. als Ableitung,
Material aus dem großangelegten Werk "Répons" (1981-....). Auch nimmt es Töne
aus dem für den bedeutenden Schweizer Dirigenten und Mäzen Paul Sacher zu
dessen siebzigsten Geburtstag entstandenen Werk "Messagesquisse" (1976) wieder
auf: es (S) - a - c - h - e - r.
Karlheinz
Stockhausen
(geb. 1928) komponierte das "Kreuzspiel" schon 1951. Es markiert für ihn den
Beginn seines seriellen Musikdenkens und entstand kurz bevor er Pierre Boulez
kennenlernte. Die streng durchserialisierte Form verwendet Reihen von
Tondauern, Tonhöhen, Artikulationsvorschriften, Dynamik und Tonlagen. Der Titel
nimmt dabei vor allem Bezug auf seine Art, die Reihen zu verändern, hat aber
auch Bezüge zu seinem rheinisch-katholischen Hintergrund. Der konstruktive
Hintergrund dieses frühen Werkes des Serialismus hat maßgeblich zur Erneuerung
der musikalischen Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen, eine Musik,
die sich von den Ausdrucksklischees der Vergangenheit durch Entwicklung eher
rationaler Kompositionsprinzipien befreien wollte. Dennoch finden sich im
"Kreuzspiel" durchaus melodische Linien der Bläser und pulsierende rhythmische
Strukturen wieder, die den Widerspruch von Konstruktion und Ausdruck zu einem
nur scheinbaren werden lassen. "Kreuzspiel" besteht aus drei Teilen mit
festgelegter Dauer und jeweils unterschiedlicher Herangehensweise an die
serielle Verarbeitung von Tonhöhen, Rhythmus und Tonraum.
Peter
Eötvös wurde
1944 in Székelyudvarhely (Transsylvanien) geboren und bereits mit 14 Jahren von
Zoltan Kodaly an der Budapester Musikakademie aufgenommen. 1966 führte ihn ein
Stipendium zum Dirigierstudium an die Musikhochschule in Köln. Zwischen 1968
und 1976 spielte er regelmäßig mit dem Stockhausen Ensemble und arbeitete im
Elektronischen Studio des WDRs Köln (1971-1979). Auf Einladung von Pierre
Boulez leitete er 1978 in Paris das Konzert zur Eröffnung des IRCAM. Daraufhin
wurde ihm die musikalische Leitung des von Pierre Boulez gegründeten "Ensemble
Intercontemporain", das er bis 1991 verantwortlich leitete, übertragen. Sowohl
als Dirigent wie auch als Komponist ist Peter Eötvös seitdem international
außerordentlich erfolgreich. "Shadows" entstand 1996 als Auftrag des Landes
Baden-Württemberg. Die Musiker sind als kleine Ensembles auf der Bühne verteilt
und verhalten sich wie "Schatten" zu den beiden Solisten Flöte und Klarinette.
Die Verstärkung verlängert den differenzierten Raumklang in den Zuschauerraum
hinein.
"Mit
der Folge von drei stark kontrastierenden Sätzen ist das Werk formal nach der
Vorgabe des traditionellen Solo- bzw. Doppelkonzerts angelegt. Der erste Satz
("Atemlos, gehetzt") exponiert zweimal eine aufsteigende Melodie, die sich zum
Schluss in Geräuschklänge auflöst. Der virtuose zweite Satz mit einem
rhythmisch-motorischen Impuls hat Scherzocharakter. Der bekenntnishafte dritte
führt auch inhaltlich ins "Reich der Schatten". Er beginnt mit Streichern im
tiefen Register als "Trauertanz" (eine Gattung, die in Peter Eötvös´ Heimat
Transsylvanien, aber auch in indianischen und asiatischen Kulturen als
traditionelles Totenritual vorkommt) und mündet in ein langes, intimes
Zwiegespräch der beiden Soloinstrumente in Form einer Kadenz, subtil eingehüllt
vom Klang der Celesta und weniger anderer Instrumente." (Aus dem Programmtext
von Max Nyffeler in der Partitur des Stückes)
Samstag, 10. Nov. 2007 -
20:00 Folkwang Hochschule Neue Aula
Adorno
- Sex, Drugs and New Music
Grenzgänge
und Reminiszenzen
I -
The Silencers
Pause
II -
Mike Svoboda Studien
zu Adorno (sex, drugs and new music)
The
Silencers ist
ein junges europäisches Ensemble, das fließend improvisatorische Freiheit mit
kompositorischem Denken verknüpft. Die Musik bewegt sich zwischen fragilen
Klängen in transparenten Räumen und dichteren rhythmischen Strukturen, in denen
kleinste Details in Ton und Geräusch permanent Impulse für Weiterführung und
Neuentwicklung geben. Diese Bewegung kann dabei bis aufs Äußerste verlangsamt
und in ausgedehnte Flächen diminuiert werden, in denen die Instrumente zum
homogenen Soundgeflecht verschmelzen. Die durchgängig leise Dynamik ermöglicht
ein differenziertes Hören; das nuancenreiche Spiel mit erweiterten
Instrumentaltechniken eröffnet dem Zuhörer eigentümliche Klangwelten. (Nils Ostendorf)
Nils
Ostendorf: Trompete
Kim
Myhr: präparierte Gitarre
Magda
Mayas: präpariertes Klavier
Toma
Gouband: Perkussion
Mike
Svoboda
Studien
zu "Adorno (sex drugs and new music)" für zwei Ensembles mit
Stimme-Solo und Videoprojektion (2007).
Frank
Zappas Aussage über Jazz möchte ich paraphrasieren: "New Music is not
dead, it just smells funny" ("Neue Musik ist nicht tot, sie riecht
nur komisch.") Ich bin bei weitem nicht der Erste, dem die Suche nach
neuen Ausdrucksmitteln und -formen nicht den wichtigsten Antrieb für sein
Schaffen liefert. Doch eine gewisse Nostalgie nach den Zeiten, wo Neue Musik
tatsächlich noch Neuland eröffnete, habe ich schon. Ich sehne mich nach diesen
Jahren zurück, in denen man entdecken und forschen konnte, wo Erneuerungen und
neue klangliche Möglichkeiten zum Inhalt wurden. Jedoch spätestens seit Anfang
der 80er Jahre sind die neuen Spieltechniken, Aufführungsformen und Medien mehr
oder weniger ausgeschöpft. Dieser Drang nach Neuem spielt zumindest für mich
nicht mehr eine so große Rolle. Jedoch ist es mir seit langem ein Anliegen,
über diese Sehnsucht nach Aufbruch und Umbruch, nach den Zeiten, in denen Neue
Musik wirklich neu war, ein Musiktheaterstück zu schreiben. Diese "Studien
zu..." sind ein Vorantasten, um auszuloten, in welche Richtung und in
welche Formen sich ein solches Werk entwickeln könnte. Als ich 1982 nach
Deutschland kam, war Theodor W. Adorno ein omnipräsenter, unausweichlicher
Begriff, welcher für mich mit der Erneuerung der öffentlichen, vom Rundfunk
gesteuerten Ernste-Musik-Landschaft der Nachkriegs-Bundesrepublik verbunden
war. Für mich gäbe es keine Darmstädter Schule, aber auch keine Verneinung all
dessen, was musikalisch mit Pathos zu tun hat und im Dritten Reich missbraucht
wurde, ohne Adorno.
In
Dietrich Hahnes Videoarbeit für Studien zu "Adorno (sex, drugs and new
music)", die nach Struktur und Pilotspur der Komposition angelegt ist,
dienen Filmausschnitte mit Theodor W. Adorno als visuelle Zitate, aber auch
Bildmaterial der 68er Studentenbewegung, die - zum Ärgernis Adornos - seine
Texte als Zündstoff verwendet hat. (Mike Svoboda)
Phil
Minton, Vocals
Harald
Kimmig, Violine
Sue
Schlotte, Violoncello
Stefan
Hussong, Akkordeon
Mike
Svoboda, Posaune
Wolfgang
Fernow, Kontrabass
Michael
Kiedaisch, Schlagzeug
Thomas
Neuhaus, Live-Elektronik
Philipp
Stangl, Live-Elektronik
Dietrich
Hahne, Videos
Samstag,
10. Nov. 2007 - 22:30 Folkwang Hochschule Neue Aula
Folkwang
meets Videonale Bonn
VideoScreening
- Der Kurator der Videonale Bonn Georg Elben präsentiert unter dem Titel
"Musikalität im Video - vom Musikclip bis zur Performance" Werke von
Freya Hattenberger, Oliver Pietsch, Nico Roicke, Richard T. Walker u.v.a.m.
Georg
Elben: Präsentation und Moderation
IMPRESSUM
Programm,
Redaktion und Künstlerische Leitung:
Prof.Dietrich
Hahne, Prof.Dirk Reith, Prof.Günter Steinke
Fotos:
Prof.Dietrich Hahne
Grafische
Gestaltung: Katja Heinroth
Druck:
cue sound service GmbH
Technische
Leitung: Dipl.-Ing.Roland Masslich
Ton-
und Bildtechnik: ICEM der Folkwang Hochschule
Bühnentechnik
Techn.Ltg.: Rüdiger Klahr
Medientechnik:
Martin Preu, Ralf Galberg, Philipp Kramarczik
Orchesterwart:
Peter Piotrowski
Beleuchtung/Bühnentechnik:
Joaquim Berenguel, Gerd van Megern, Peter
Mursall,
Ralf Rodloff, Carsten Teuwsen, Markus Weiss
Tonproduktion:
Dipl.-Toning. Arthur Jogerst
Folkwang
Hochschule | Klemensborn 39 | D-45239 Essen | Tel.: 0201-4903-0